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Der lange Weg zur europäischen elektronischen Rechnung

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Titel:   Der lange Weg zur europäischen elektronischen Rechnung
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Verschiedene E-Invoicing-Formate und -Verfahren, neue EU-Richtlinien zu E-Rechnungen oder länderspezifische Übermittlungsvorgaben bringen viele Veränderungen für Unternehmen in Europa mit. Die öffentliche Verwaltung hat die Vorteile der Digitalisierung erkannt und treibt diese konsequent voran. Staatliche Organe können in ihrer Position auch entsprechend Druck auf ihre Geschäftspartner aus der Wirtschaft ausüben, die ohne Teilnahme am elektronischen Austauschverfahren etwa nicht an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen können.

Die Vorteile solcher E-Invoicing-Verfahren stellen sich relativ eindeutig dar – sofern alle mitspielen. Verglichen mit papierbasierten Prozessen ließen sich laut einer Billentis-Studie auf dem elektronischen Weg alleine bei der Sicherstellung der Steuerkonformität 8 bis 38 Prozent an Kosten einsparen.3 Die europäische Kommission schätzt das Einsparvolumen allein in Deutschland auf 30 bis 40 Euro pro elektronische Rechnung, was einer durchschnittlichen jährlichen Entlastung von 4,3 bis 8,9 Milliarden Euro entspräche.4 Zudem werden gleichzeitig Umweltressourcen geschont.

In vielen Fällen haben nationale Regierungen obligatorische elektronische Übermittlungsverfahren, Clearance-Modelle oder steuerrechtliche Meldepflichten eingeführt, um etwa einer »Schattenwirtschaft« oder dem Steuerbetrug zuvorzukommen. Zum Beispiel ist es spätestens ab dem 01.01.2019 in Italien für alle Transaktionen zwischen in Italien gegründeten Privatunternehmen und den dortigen Behörden gesetzlich vorgeschrieben, Rechnungen im hierfür vorgesehenen XML-Format FatturaPA zu erzeugen und über die dafür erstellte Austauschplattform SdI zu übermitteln. Größere Unternehmen sollen ihr ERP-System über eine Schnittstelle direkt an das SdI anbinden können, um die Verarbeitung von Rechnungen und den dazugehörigen Rückmeldungen zu automatisieren. In Spanien (seit dem 01.07.2017) und Ungarn (seit dem 01.08.2018) gelten bereits Meldesysteme für eine Umsatzsteuerübermittlung in Echtzeit, was elektronische Rechnungen und Rechnungssysteme voraussetzt. Wird in diesen Ländern der Fiskus nicht rechtzeitig oder gar nicht informiert, drohen Strafzahlungen.

 

E-Rechnungen: Wer, wie, was?

Es tut sich also gerade viel im Bereich E-Government bzw. E-Invoicing in Europa und Unternehmen müssen aufmerksam bleiben, um nicht den Anschluss zu verpassen. Die aktuelle Berichterstattung dazu scheint allerdings nicht besonders laut stattzufinden. Man muss offenbar erst einmal in einschlägigen News-Portalen sowie Blogs stöbern, um Informationen zu den jüngsten Entwicklungen auf dem E-Rechnungsmarkt zu erhalten. Ob alle Unternehmen bereits Bescheid wissen, sei einmal dahingestellt. Jedoch scheinen Fragen naheliegend wie etwa, ob das eigene Unternehmen im Zusammenhang mit FatturaPA XML, EN16931 und Co. bereits gut aufgestellt ist. Können die eigenen Rechnungsverarbeitungslösungen oder ERP-Systeme die jetzigen und kommenden EU- sowie Länder-Vorgaben und Übermittlungsverfahren überhaupt abbilden? Und was ist eigentlich mit einem europäischen Standard für E-Invoicing, der länderspezifische Anpassungen obsolet machen würde?

Europa auf dem Weg zur E-Rechnung

Für die Antworten lohnt sich ein kleiner Rückblick. Mit der am 26.05.2014 in Kraft getretenen Richtlinie 2014/55/EU5 wurde das Ziel verfolgt, den aufkommenden Trend zum E-Invoicing zu kanalisieren, zu fördern und mit dem Blick auf die Europäische Union einen stabilen sowie flexiblen Rahmen zu geben.6 Mit der in Folge erarbeiteten europäischen Norm EN16931 wurde eine einheitliche Grundlage geschaffen, um Rechnungen elektronisch strukturiert abzubilden. Damit sich weiterhin nationale und anwendergruppenspezifische Anforderungen abbilden lassen, bietet die Norm die Möglichkeit der CIUS (Core Invoice Usage Specification). Die Definition eines semantischen Datenmodells für die Kernelemente einer elektronischen Rechnung ermöglicht es, das Kernmodell einer EN16931-konformen Rechnung gemäß der Norm exakter zu spezifizieren. Somit wird die grundlegende und einheitliche Verarbeitungsmöglichkeit einer elektronischen Rechnung sichergestellt. Anwendergruppen mit gemeinsamen Anforderungen bietet sich damit die Möglichkeit, über eine eigene CIUS ihren Rechnungsverarbeitungsprozess weiter zu automatisieren.
Um nun die Verbreitung und die aus einer einheitlichen Rechnungsstruktur entstehenden Vorteile zu fördern, wurde beschlossen, die öffentlichen Auftraggeber der Mitgliedstaaten zu verpflichten EN16931-konforme Rechnungen elektronisch anzunehmen und zu verarbeiten. Die hierfür festgesetzten Fristen finden Sie im Infoblock »Umsetzungsfristen«.

 

Erste Annäherungen an einen »Standard«

Auf den ersten Blick ernüchternd stellt sich die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht dar. Lediglich von sechs (Deutschland, Tschechien, Estland, Spanien, Frankreich und Portugal) der 28 Mitgliedstaaten wurden bereits Maßnahmen zur Umsetzung ergriffen. Davon abgesehen darf hier nicht außer Acht gelassen werden, dass in vielen Ländern bereits seit Längerem das Thema E-Government durch entsprechende Gesetze vorangetrieben wird und in vielen Fällen nur die Ergänzung um die Richtlinie noch aussteht. In der Gesetzgebung der Länder wird größtenteils erkennbar, dass der Spielraum der Richtlinie genutzt wird, um E-Invoicing über die Vorgaben der Richtlinie hinaus voranzutreiben.
Deutschland zum Beispiel nutzt den Freiraum und verpflichtet mit der »Verordnung über die elektronische Rechnungsstellung im öffentlichen Auftragswesen des Bundes« auch Rechnungssteller EN16931-konforme Rechnungen an öffentliche Auftraggeber ab dem 27.11.2020 elektronisch auszustellen und zu übermitteln.
Auch unser Nachbar am anderen Ufer des Rheins forciert mit seiner Gesetzgebung das E-Invoicing und wird die bisherige Gesetzgebung voraussichtlich in den kommenden Monaten um die ergänzenden Anforderung der Richtlinie erweitern. Mit der französischen Verordnung »Ordonnance n°2014-697 du 26 juin 2014 relative au développement de la facturation électronique« existiert die Pflicht zur elektronischen Rechnungsstellung nämlich bereits seit dem 01.01.2017 (für Unternehmen mit mehr als 5.000 Angestellten).7

 

Europäische versus/und nationale Lösungen

Gemeinhin stellt sich im Kontext des elektronischen Datenaustausches die Frage, mit welchen Mitteln dieser erfolgt. Vorreiter im E-Government haben hierfür längst nationale Plattformen entwickelt. Um trotzdem dem europäischen Gedanken gerecht zu werden, verbinden inzwischen immer mehr Mitgliedstaaten ihre Plattformen mit dem PEPPOL-Netzwerk (Pan-European Public Procurement OnLine), um einen einheitlichen Übertragungsweg anzubieten. Innerhalb des PEPPOL-Projekts werden offene Standards für öffentliche Ausschreibungs- und Beschaffungsverfahren entwickelt und gleichzeitig bereits existierende nationale Verfahren und Systeme berücksichtigt.8
Zumindest im öffentlichen Sektor werden sich EN16931-konforme Rechnungen im E-Invoicing durch die gesetzlichen Vorgaben durchsetzen. Sofern sich bei den ausstehenden Umsetzungen in nationales Recht der Trend fortsetzt, die Rechnungssteller zum Versand von EN16931-konformer Rechnungen zu verpflichten, werden auch die übrigen Wirtschaftsteilnehmer ermutigt, die bisherigen mannigfaltigen vorhandenen Rechnungsformate innerhalb der EU in Zukunft zu konsolidieren.

 

AFI DirectInvoiceControl ist ab Herbst EN16931- und FatturaPA-konform

Nun kommen wir auf die Fragen am Anfang des Artikels zurück: Ab Herbst wird die AFI Eingangsrechnungslösung DirectInvoiceControl alle E-Rechnungsformate verarbeiten können, die konform zur EU-Norm EN16931 sind. X-Rechnung wird durch die Lösung komplett unterstützt. Alle anderen EN16931-konformen CIUS werden dahingehend unterstützt, dass grundlegende Daten gemäß Norm ausgelesen und entsprechend verarbeitet werden können. 

Auch in Sachen FatturaPA kann AFI Solutions Entwarnung geben. Die AFI Lösung DirectInvoiceControl zur Verarbeitung von Eingangsrechnungen wird das italienische Format mit einer modulbasierten Erweiterung ab November 2018 verarbeiten können. Italien entwickelt aber momentan eine eigene EN16931-konforme CIUS. Diese kann die AFI Lösung dann ebenfalls verarbeiten. Andere nationale Formate, die einige europäische Länder bereits vor der EU-Richtlinie im Einsatz hatten, wie etwa Svefaktura in Schweden oder e-Fatura in Spanien, werden im Produktstandard noch nicht unterstützt. Selbstverständlich lassen sich aber alle nationalen Formate weiterhin als kundenindividuelles Anpassungsprojekt umsetzen.

Bei Fragen zum Thema stehen wir gerne beratend zur Verfügung.


Kontakt:

AFI Solutions
Tel.: +49-711-72842-100
Mail: info@afi-solutions.com

 

Infoblock Umsetzungsfristen

Die Umsetzungsfristen der Richtlinie wurden in Abhängigkeit zur Veröffentlichung der Fundstelle der europäischen Norm für die elektronische Rechnungsstellung und die Liste von Syntaxen festgesetzt.
Die Veröffentlichung erfolgte im Amtsblatt der Europäischen Union auf Grundlage des Durchführungsbeschlusses 2017/1870.9 Folgende Umsetzungsfristen wurden somit für die Richtlinie 2014/55/EU festgelegt.

  • 18.04.2019 für zentrale öffentliche Auftraggeber
  • 18.04.2020 für subzentrale öffentliche Auftraggeber


Abhängig von der Umsetzung in nationales Recht können jedoch die Umsetzungsfristen in den Mitgliedstaaten abweichen.
Die Fristen zur Umsetzung wurden in Deutschland mit dem Gesetz »Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 2014/55/EU über die elektronische Rechnungsstellung im öffentlichen Auftragswesen« wie folgt festgelegt:

  • 27.11.2018: Empfang elektronischer Rechnungen für öffentliche Auftraggeber
  • 27.11.2019: Empfang elektronischer Rechnungen für subzentrale öffentliche Auftraggeber
  • 27.11.2020: Verpflichtende elektronische Rechnungsstellung an öffentliche Auftraggeber


Die französische Umsetzung der Richtlinie wird wohl noch 2018 erfolgen. Allerdings besteht in Frankreich ohnehin bereits die Pflicht zur elektronischen Rechnungsstellung und zum Rechnungsempfang im Rahmen öffentlicher Aufträge (allerdings bisher ohne Zwang EN16931-konforme Rechnungen auszustellen).10

  • 01.01.2017: Elektronische Rechnungsstellungspflicht für Unternehmen mit mehr als 5.000 Angestellten
  • 01.01.2018: Elektronische Rechnungsstellungspflicht für Unternehmen mit 250 bis 5.000 Angestellten
  • 01.01.2019: Elektronische Rechnungsstellungspflicht für Unternehmen mit 10 bis 250 Angestellten
  • 01.01.2020: Elektronische Rechnungsstellungspflicht für Unternehmen mit weniger als 10 Angestellten

 

 

Quellen:

1 Blogbeitrag von Claudia Goebel, 15. Januar 2018: http://de.blog.docuware.com/produkt/e-rechnungen-zugferd-2.0-hei%C3%9Ft-international-factur-x
2 Vgl. dazu Beitrag vom 20.04.2018 von Markus Hornburg auf ChannelPartner.de: „E-Rechnung: Deutschland hält das Tempo nicht mit“; https://www.channelpartner.de/a/e-rechnung-deutschland-haelt-das-tempo-nicht-mit,3333605
3 Billentis-Studie: „E-Rechnung 2017“; https://www.adicom-group.de/images/aktuelles/2018_03/Billentis_E-Invoicing-Marktstudie_2017.pdf
4 Siehe Beitrag: „E-Rechnung: Deutschland hält das Tempo nicht mit“; https://www.computerwoche.de/a/e-rechnung-deutschland-haelt-das-tempo-nicht-mit,3544796
5 Richtlinie 2014/55/EU: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014L0055
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014L0055
6 Siehe: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1535118252802&uri=CELEX:32017D1870
7 Siehe: https://www.legifrance.gouv.fr/affichTexte.do?cidTexte=JORFTEXT000029140226&categorieLien=id
8 Siehe: https://peppol.eu/
9 Siehe: http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl117s3555.pdf
10 Siehe: https://ec.europa.eu/cefdigital/wiki/pages/viewpage.action?pageId=65964587

 

 

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